Der japanische Holzschnitt-Künstler Koizumi Kishio (1893-1945) war ein Grafiker der Sosaku-Hanga-Bewegung; 1918 war er an der Gründung der »Gesellschaft für kreativen Holzschnitt« beteiligt und konnte sich dank seiner Arbeit für Zeitungen und Zeitschriften von seiner Kunst ernähren. Er schnitzte und druckte seine Werke von Hand und hielt dabei das sich wandelnde Stadtbild Tokios fest. Seine berühmte Serie »Hundert Ansichten des großen Tokio in der Schowa-Epoche« spiegelt das städtische Leben der Vorkriegszeit wider. Seine Drucke verbinden Tradition und Moderne mit eindrucksvollen historischen Details. Koizumis Kunst ist eine lebendige Chronik einer Stadt im Wandel. Der vorliegende Druck ist die Nr. 61 der 100 Ansichten, die zwischen 1928 und 1937 entstanden. Er zeigt den Blick auf eine Straße in Tokios Viertel Shinjuku, heute ein Mekka für Shopping, Essen und Unterhaltung. Die Serie, die er vollständig selbst geschnitzt und gedruckt hatte, nahm neun Jahre in Anspruch, bis sie im Dezember 1937 mit dem 100. Entwurf fertiggestellt war. Von 1939 bis 1940 veröffentlichte Koizumi (aus unbekannten Gründen) neun zusätzliche Ersatzentwürfe, sodass insgesamt 109 Holzschnitte entstanden. Koizumis Ansichten von Tokio, die während einer Phase rascher Expansion im Zuge des Wiederaufbaus Tokios nach der Zerstörung durch das große Kanto-Erdbeben von 1923 entstanden, spiegeln sein Interesse an der Modernisierung der Stadt wider und gleichzeitig einen nostalgischen Stolz auf das traditionelle Japan.