Der Publizist, Lyriker und Dramatiker Karl Kraus gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellern des beginnenden 20. Jahrhunderts. »Brutal, brillant und hellsichtig, wirbelte er Österreich vor 100 Jahren durcheinander.« (Die Zeit) Seine literarische, kulturelle und politische Wirkung strahlte aber weit über Österreich hinaus. Er schrieb Zeitkritik zwischen Satire, Polemik und scharfer Analyse: Gesellschaft, Politik und Kultur wurden vom »Meister des giftigen Spotts« (Stefan Zweig) zerpflückt und demaskiert. »Von ihm als Medienkritiker können wir heute noch lernen, als Satiriker ist er unerreicht.« (SZ) Die von ihm gegründete Literaturzeitschrift »Die Fackel« ist das wirkungsvollste Instrument seiner Sozial- und Kulturkritik. Seine polemischen Texte trug er auch wirkungsvoll öffentlich vor: »Zu seinen Vorlesungen‘, die eher zu Ein-Mann-Inszenierungen gerieten, fand sich alles ein, was sich in der österreichischen Hauptstadt zum Geistesadel zählte, und viele andere kamen ebenfalls.« (Die Welt) Diese konkurrenzlose Werkausgabe versammelt seine stärksten Artikel, Aphorismen, Gedichte und Dramen. Eine fundierte Einführung stellt Kraus als scharfzüngigen Kritiker und leidenschaftlichen Pazifisten vor. Die Essay-Sammlung Sittlichkeit und Kriminalität attackiert eine verlogene Sexualmoral und zeigt Kraus als Vorkämpfer der Strafrechtsreform. Sein dramatisches Hauptwerk Die letzten Tage der Menschheit entlarvt in mehr als 200 Einzelszenen die Apokalypse des Ersten Weltkrieg und entlarvt sie mit satirischem Furor und moralischer Beschämung als Katastrophe von apokalyptischen Dimensionen. Aus Erfundenem wie Gefundenem gestaltet er ein großes Panorama des Schreckens. In der Dritten Walpurgisnacht setzt sich Kraus mit dem Nationalsozialismus auseinander.