Otto Gleichmann (1887-1963) zählt zur jüngeren Riege des deutschen Expressionismus und ist nach dem Ersten Weltkrieg - in Russland und in Frankreich hatte er Fronterfahrung gesammelt - in Hannover zugezogen, wo er bis zu seinem Tod lebte. Trotz vielerlei Erfolgen, vor allem in den 1910er- und -20er Jahren (1917 eine erste Ausstellung im Kestner-Museum Hannover), ist er heute nahezu vergessen. Seine Wirkung seinerzeit weit über das lokale Hannover hinaus, bietet die Gelegenheit das Werk eines bedeutenden Malers und Zeichners wieder zu entdecken. Otto Gleichmanns Werk wird durch einen humanistischen Pathos getragen, seine spürbare Sensibilität gilt seinem Thema: dem Menschen. Stilisierte, unverwechselbare Gesichter mit weit aufgerissenen Augen stehen für die unmittelbar erlebten Schrecknisse des Ersten Weltkrieges. Die Gestalten durchstreifen dicht gedrängte Stadtlandschaften, vergnügen sich in Varietés oder im Zirkus. Sein Repertoire konzentrierte sich sein Leben lang auf Figurenbilder mit vielfältigen Konstellationen, sodass sich stilistische Entwicklungen einzelner Motive in einem fast 50-jährigen Schaffensprozess hervorragend verfolgen lassen. Ausstellung und Buch gelten einer Retrospektive mit 114 Werken aus allen Schaffensperioden, zudem wird erstmals auch das Werk seiner Frau Lotte Gleichmann-Giese mit 13 Werken in größerem Umfang präsentiert. (Ausstellungsdauer: 1.8. - 1.11.26 Sprengel Museum Hannover)