Seit Jahrhunderten bezeichnet das Wort »bizarr« das, was gleichzeitig irritiert und fasziniert: das Fantastische, Exzessive, Absonderliche und schwer Fassbare. Dieses Buch erkundet erstmals die Geschichte des Bizarren als Kultur- und Bildbegriff - von den Buch- und Bilderwelten der Renaissance bis zu den Denkmodellen und Wissensräumen des 21. Jahrhunderts. Dabei führt es durch Kunst, Architektur, Mode, Fotografie, Design, Buch- und Medienkunst und zeigt, wie das Bizarre Ordnungen sprengt, Wahrnehmung verschiebt und neue Denk- und Bildräume eröffnet. Das Buch folgt Bildern und Vorstellungen, die sich dem Gewohnten entziehen: fantastischen Kreaturen, grotesken Körpern und rätselhaften Bildern. Es entfaltet sich eine Kulturgeschichte, die von den Künstlerwerkstätten und Gelehrtenstuben der frühen Neuzeit bis zu Quantenphysik und Neurowissenschaften in der Gegenwart reicht. Die reich bebilderte Publikation versammelt faszinierende Details aus der Buchkunst und führt zu Boschs Höllenwesen, Piranesis labyrinthischen Kerkerarchitekturen, Max Ernsts surrealen Collagen und Sigmar Polkes experimentellen Bildwelten. Der Band öffnet die Archive der Imagination, in denen ornamentale Exzesse, traumhafte Chimären und unerhörte Erfindungen aufeinandertreffen. Das »Bizarre« erscheint in diesem Band nicht nur als Stilphänomen, sondern als ästhetische, kulturelle und intellektuelle Kategorie von überraschender Aktualität. Es wird als produktive Störung greifbar - als Denkfigur, die feste Ordnungen irritiert und neue Sichtweisen hervorbringt. Es zeigt sich dort, wo Bilder feste Ordnungen sprengen, Wahrnehmung verschieben und neue Denk- und Erfahrungsräume öffnen. Der Band lädt dazu ein, Entgrenzung, Fantasie und produktive Unordnung als zentrale Kräfte des Sehens und Denkens neu zu begreifen. Herausgegeben von Moritz Wullen. (Text dt., engl.) (Ausstellungsdauer: 27.11.2026 - 29.3.2027 Kunstbibliothek Staatliche Museen zu Berlin)