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Spanische Hunger- und Zaubermärchen. Vorzugsausgabe.

Von José Maria Guelbenzu. Köln 2000. Aus der Reihe »Die Andere Bibliothek«, Band 183.

13 x 21,5 cm, 347 Seiten, limitiert (999 Expl.), Fadenheftung, Bleisatz, Rückenschild m. Goldprägung, geb. in pflanzl. gegerbtem, ostind. Ziegenleder.

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Versand-Nr. 632937
geb. = fester Einband; pb. = Paperback-Ausgabe;
Tb. = Taschenbuch; Sonderausgabe = Ausstattung einfacher, evtl. Vergleichspreis nennt die gebundene Ausgabe

Metzeln, Lachen, Hexen, Träumen! Das, was zarte Pädagogengemüter immer schon gestört hat an unseren Märchen, dass sie nämlich grausam sind und kein Blatt vor den Mund nehmen - diesen Geschichten aus Spanien könnte man es mit weit mehr Recht als den unseren nachsagen. Sie erzählen von Untoten und Transvestiten, von Hexerei und Inzest, und selbst vor der Menschenfresserei schrecken sie nicht zurück. Vor allem aber sind es Geschichten aus einer Welt, in der Armut regiert. Oft hat man den Eindruck, dass es sich um Hunger-Halluzinationen handelt. Der größte aller Märchenträume geht in Erfüllung, wenn die Helden sich endlich satt essen können. Sentimental sind diese anonymen Erzähler wirklich nicht, und jede Selbstzensur ist ihnen fremd. Selbst die Lehren der Kirche sind ihnen nicht heilig, und mit Tod und Teufel stehen sie sozusagen auf Duzfuß. Das einzige, was die Trostlosigkeit ihres Lebens erträglich macht, ist der bizarre Humor, mit dem die Märchenhelden der Welt begegnen. Ihre Schicksale lassen einerseits an den unbesiegbaren Picaro des Schelmenromans, andererseits an die Visionen Goyas denken. Es ist ein sehr altes Spanien, das hier fabuliert und murrt und lacht. Doch wer das Land aus den 1950er Jahren kennt, der weiß, dass sich seine archaischen Züge bis in die jüngste Vergangenheit gehalten haben. Auch arabische, jüdische und baskische Einflüsse sind unverkennbar. Dem Sammeleifer der Brüder Grimm hatten die Spanier lange nichts Vergleichbares entgegenzusetzen. Erst in jüngster Zeit fingen sie an, sich für die eigenen Überlieferungen zu interessieren. Kein Wunder, dass die iberischen Hunger- und Zaubermärchen in Deutschland bisher völlig unbekannt geblieben sind: Der Autor hat sie erst vor ein paar Jahren ans Licht gebracht. Fotografien aus dem 19. Jahrhundert, die den Band illustrieren, geben eine Vorstellung von der Lebenswelt, die solche Erzählungen hervorgebracht hat. Limitierte Ausgabe in hochwertigem Ziegenledereinband.



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