Wassily Kandinsky entstammt einer wohlhabenden Moskauer Teehändlerfamilie. Die Malerei betreibt er lange nur als ernsthafte Freizeitbeschäftigung neben seinem Jurastudium. Der Besuch einer Wagneroper wird für ihn zum Erweckungserlebnis. Bei der Ouvertüre von Lohengrin »sah ich all meine Farben im Geiste, sie standen vor meinen Augen. Wilde, fast tolle Linien zeichneten sich vor mir. Ich traute mich nicht den Ausdruck zu gebrauchen, dass Wagner musikalisch meine Stunde gemalt hatte.« Als Folge bricht er seine akademische Karriere in Moskau ab und zieht zum Malstudium nach München. Seine frühen Werke zeigen noch gegenständlich-expressive Landschaftsbilder. Er wollte so malen, wie Musik komponiert wird: anstelle des Klangs und Rhythmus’ tritt bei ihm die Farbkomposition. Sein Übergang zur Abstraktion erfolgt in drei großen Schritten: die Überwindung der Perspektive durch das Erreichen der Zweidimensionalität. Die Anwendung grafischer Elemente in der Ölmalerei und die Erzeugung eines neuen »schwebenden Raums«, den er durch die Trennung von Farbe und Linie erschuf. In seiner Zeit am Bauhaus ab 1922 wird der Kreis sein zentrales Motiv.