Der norwegische Maler Edvard Munch (1863-1944) ist einer der bedeutendsten Vertreter des Expressionismus. Als Gegenbilder zum heiteren Impressionismus seiner Epoche zeigen seine Gemälde das, was kein anderer Stil fassen kann: ausdrucksstarke Emotionen. Durch die perspektivische Flucht des Geländers nimmt die Szene den Betrachter unwiderstehlich gefangen. Der Tiefensog wird durch die Frauengruppe unterbrochen. Eng zusammenstehend, sieht man sie im Gespräch vertieft. Dunkel spiegeln sich Häuser und Baum in der Wasseroberfläche am linken Bildrand. Munch malte hier eine düstere Zweitwelt, die im Kontrast zur hellen Farbgebung des restlichen Bildes steht. Die heitere Harmlosigkeit des Zusammentreffens bekommt dadurch eine unheimliche Komponente verliehen. Die Szene hat Munch in Asgardstrand in der Nähe Oslos beobachtet. Der Künstler verbringt dort regelmäßig den Sommer und erwirbt 1898 ein Fischerhaus in dem beliebten Badeort. Von dem Bildthema »Mädchen auf dem Pier« schuf Munch insgesamt 12 unterschiedliche Versionen. (Museum Barberini, Postdam)