Sie führen Krieg, foltern, morden - und sind kunstbeflissen: die Männer des Nationalsozialismus. Bayreuth ist seit 1900 ein beliebter Treffpunkt völkisch denkender Kreise. Anno Mungen, Lehrstuhlinhaber für Theaterwissenschaften an der Uni Bayreuth, zeigt, wie Kultur, Krieg und Massenmord in den letzten Jahren des Regimes zusammenwirken. Adolf Hitler war nicht nur ein großer Opernfreund, sondern hat auch wesentliche Strategien aus dem Werk Richard Wagners für seine eigene Agenda bezogen. Noch bis in die letzten Kriegstage werden Teile des Musikbetriebs aufrechterhalten, um die behauptete kulturelle Überlegenheit gegenüber anderen Völkern und den Juden zu dokumentieren. Bis heute behaupten große Teile der Wagner-Gemeinde, dass man sich im national-sozialistischen Bayreuth nur für wertfreie Kultur interessiert und sich der politischen Vereinnahmung entzogen habe. Kunst wurde als kriegswichtig eingestuft und Kultur erhielt die Funktion der Selbstvergewisserung in eine Identität von ,arischer‘ Überlegenheit, die zugleich vom Völkermord an den Juden sowie dem verheerenden Krieg ablenkte.