Für die Öffentlichkeit war das Jahr 1907 sozialpolitisch eher unauffällig. Innerhalb der Reichsverwaltung jedoch wurden große Gesetzesvorhaben vorbereitet: Ein Gesetzesentwurf zur Sicherung der Vertretungsrechte der Sozialparteien in Arbeitskammern und die Vorarbeiten für eine durchgreifende Reform der Sozialversicherungszweige wurden in Arbeitsgruppen erörtert. Die öffentliche Diskussion dagegen wurde von dem unerwarteten Konjunktureinbruch zur Jahresmitte beherrscht; erneut wurden Möglichkeiten diskutiert, die die Folgen von Arbeitslosigkeit mildern sollten. Auch griff eine für die Öffentlichkeit sichtbare Gewichtsverlagerung bei den Vertretungen der Arbeitnehmer Platz: Die christlichen Gewerkschaften und die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine suchten sich zu profilieren und erhielten zugleich Konkurrenz durch die entstehenden Werkvereine. Schließlich spielte auf der Empfängerebene die kommunale Sozialpolitik mit Schwerpunkten wie Wohnungsbau und Gesundheitsfürsorge eine immer größere Rolle.