Die gewerbliche Arbeitsverfassung des Kaiserreichs ruhte auf den beiden Grundpfeilern, die mit der Gewerbeordnung von 1869 eingeschlagen worden waren: dem freien Arbeitsvertrag und der Koalitionsfreiheit. Das auf den beiden Rechtsinstituten aufbauende individuelle und kollektive Arbeitsrecht ist Gegenstand des Quellenbands. Vier Themenkomplexe stehen im Mittelpunkt der Dokumentation: die öffentlichen Debatten über das Arbeitsrecht, insbesondere über Arbeiterkoalitionen und Arbeitskämpfe, die Strategien der Exekutivbehörden bei der Einschränkung von Fachvereinsbewegungen und Streikwesen, die relevante Rechtsprechung in Fragen des individuellen wie des kollektiven Arbeitsrechts sowie die Diskussion innerhalb von Regierung und Verwaltung über Revisionsbedarf und Reformmaßnahmen im Bereich des Arbeitsrechts. Der Band illustriert dabei auch das komplizierte Ineinandergreifen von Gewerberecht, Vereins- und Versammlungsrecht, Strafrecht, Sozialistengesetz und Versicherungsrecht bei der Definition und Eingrenzung der Handlungsspielräume gewerkschaftlicher Selbstorganisation.