Hinweis: Wir verbessern den Frölich & Kaufmann Shop ständig, dazu setzen wir Cookies ein. Mit Ihrem Besuch stimmen Sie deren Nutzung zu. Mehr hierzu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Faksimiles: Buchmalerei und Buchkunst
| | zurück zur Liste

Albani-Psalters

Faksimile 2007

Die Faksimile-Edition des Albani-Psalters. HS St. God. 1 der Dombibliothek Hildesheim (Eigentum der Basilika St. Godehard, Hildesheim) Schnütgen-Museum, Köln, Inv. Nr. M694. 211 Blätter im Format 18,4 x 27,6 cm. 46 Miniaturseiten, 214 großformatige Bild-Initialen. Der Faksimile-Einband (bordeauxrotes Leder mit Blindprägung) hat einen zeitgenössischen englischen Einband des 12. Jahrhunderts zum Vorbild. Kommentarband mit Beiträgen von Jane Geddes und Peter Kidd. Kassette: Leder mit Goldprägung. Die Auflage ist auf weltweit 1125 nummerierte Exemplare limitiert.
Die Psalmen gehörten im Mittelalter zu den beliebtesten und bekanntesten Texten der biblischen Literatur, sowohl im privaten wie im kirchlichen Bereich. Sie wurden von Klerikern wie von Laien täglich rezitiert und sogar als Übungstext verwendet, um Kindern das Lesen und Schreiben beizubringen. Zusätzlich zu den 150 lateinischen Psalmen (gallicanische Version) wurden in den Albani-Psalter, neben dem Kalender am Anfang sowie den Litaneien und Gebeten am Ende, noch zwei außergewöhnliche Texte aufgenommen: die Alexius-Vita und ein Brief Papst Gregors des Großen, in dem er die Bildervielfalt als Lehrmittel verteidigt. Das Alexius-Lied gehört zu den ältesten erhaltenen Texten der altfranzösischen Literatur. Es ist noch vor dem Rolandslied entstanden und wurde aufgrund der Parallelen mit der Biografie der Empfängerin des Prachtpsalters dem Codex beigefügt. Die Handschrift wurde vermutlich von Geoffrey de Gorham, Abt von St. Albans, für Christina von Markyate, mit der ihn eine enge Freundschaft verband, in der Schreibstube der unweit von London gelegenen Abtei in Auftrag gegeben. Christina stammte aus einer wohlhabenden angelsächsischen Familie und beschloss schon früh, ihr Leben Gott zu widmen - so floh sie aus einer arrangierten Ehe und zog sich in die Einsiedelei bei Markyate zurück. Dort lernte sie Geoffrey kennen, der zu ihrem Förderer und Freund wurde - eine besondere Beziehung, der wir diesen einzigartigen Psalter verdanken. Der eindrucksvolle Miniaturzyklus wurde von dem Hauptkünstler des Psalters, dem »Alexius- Meister« gemalt. Die außergewöhnlich reiche Szenenfolge am Beginn des Buches besticht durch kräftige Deckfarbenmalerei mit eleganten, extrem lang gezogenen Figuren, die meist im Profil dargestellt sind. Der Künstler modelliert die zarten Körper durch ein kompliziertes System von tonigen Schatten und Lichtlinien nach byzantinischem Vorbild. Die Hintergründe sind in farbigen Blöcken und mit einer komplizierten Architektur gestaltet. Der Einfluss ottonischer Kunst ist unverkennbar. Blau, Grün und Purpur dominieren jede einzelne Bildkomposition des englischen Bilderzyklus. Alle Miniaturen werden von einem goldumrandeten Rahmen begrenzt, der seinerseits mit prachtvollen Mäanderbändern in unglaublichem Variantenreichtum gefüllt ist. Es handelt sich bei den Darstellungen um die ältesten erhaltenen Buchmalereien der englischen Romanik überhaupt. Der erzählerische Stil der Bilder und die Profildarstellungen lassen vermuten, dass geistliche Schauspiele die Darstellungsweise beeinflussten. Die 46 Miniaturseiten sind Zeugnis einer gelungenen ikonografischen Symbiose angelsächsischer, ottonischer und byzantinischer Kunst, kombiniert mit dem kreativen Drang zu einem eigenständigen künstlerischen Ausdruck. In der Ausführung der großformatigen historisierenden Initialen verschmelzen Bild und Initiale zu einer neuen Gestaltungsform. Konsequent halten die Künstler - vermutlich waren drei Hände an der Ausführung der Initialen beteiligt - das Gestaltungsmodell bis zum Ende durch: Alle Psalmen werden durch historisierende Initialen eingeleitet, ebenso die nachfolgenden Gesänge, Glaubensbekenntnisse, Litaneien und Gebete. Die Verbindung zwischen Text und Bild zeigt eine unglaubliche Erfindungskraft, mit der das Unanschauliche anschaulich gemacht wird. Die Themen der Psalmen und der nachfolgenden Texte werden stets durch kleine rubrizierte Überschriften genannt, auf die häufig eine der in den Initialen dargestellten Personen im Zeigegestus hinweist. Im Anschluss an den prachtvollen Bilderzyklus befinden sich in einer Lage, von anderer Hand geschrieben, zwei ungewöhnliche Texte: die Vita des Alexius und ein Brief Papst Gregors des Großen. In einer fortlaufenden Bilderzählung wird in Altfranzösisch das Leben Alexius, der wie Christina von Markyate aus seiner Ehe geflohen war, um als Einsiedler zu leben, niedergeschrieben und illustriert. Darauf folgt ein Brief von Papst Gregor dem Großen, in dem er den Gebrauch der Bilder würdigt und deren Zerstörung missbilligt. Die Lage war wohl nicht von Anfang an für diesen Psalter realisiert worden, wurde aber wegen des direkten Bezugs zum Leben der Empfängerin der Handschrift beigebunden. In der hier angezeigten Faksimile- Edition werden die von der Dombibliothek verwaltete Handschrift der Hildesheimer Basilika St. Godehard und das im Kölner Schnütgen-Museum aufbewahrte Einzelblatt des Codex endlich wieder zusammengeführt. Der Albani-Psalter gehört zu den bedeutendsten und am reichsten ausgestatteten Psalter-Handschriften und zu den schönsten Codices der englischen Buchmalerei überhaupt. Nicht nur die Dramatik der ganzseitigen Miniaturen hält den Betrachter gefangen, die expressiven Bild-Initialen in meist halb- oder ganzseitigem Format vermitteln in faszinierender Weise auch den Beginn einer neuen künstlerischen Ausdrucksform, die vom Klang der Psalmen geprägt war.
Versand-Nr. 395820
12.498,00 €
Anzahl
geb. = fester Einband, paperback. = Paperback-Ausgabe, Sonderausgabe * (Ausstattung einfacher, evtl. Vergleichspreis nennt die gebundene Ausgabe)
Alle Preise inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten