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Bibliophile Literatur und Schätze der Buchkunst
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Bertuchs Bilderbuch für Kinder. 12 Bände.

Reprint der Originalausgabe.

12 Bde.à 15 x 19 cm, 15.000 Seiten, 1.185 farbige Illustrationen, die sich aus rund 6.000 Einzelstichen zusammensetzen, gedruckt auf säurefreiem, alterungsbeständigen, leicht getönten Papier, verstärkte Leinenecken, Leseband, Goldprägung, Halbleineneinband mit Pariser Marmorpapier.
Friedrich Justin Bertuch, »der Kaufmann der Goethezeit« wie ihn sein Biograf von Heinemann nannte, gehört zu den interessantesten und vielseitigsten Persönlichkeiten der Kulturgeschichte seiner Zeit. Nach dem Studium der Theologie und Jura lebte er seit 1773 in Weimar und avancierte hier zum »shooting star« der Gesellschaft. Bertuch wurde kaufmännischer Mitarbeiter an der von Wieland herausgegebenen Zeitschrift »Teutscher Merkur«. Diese Verbindung sollte sich auswirken, als Karl August, mit 18 Jahren die Regierung antrat. Auf Empfehlung des Prinzenerziehers Wielands berief er den 28jährigen Bertuch zu seinem Geheimsekretär und Schatullenverwalter, mit einem Jahresgehalt von 300 Talern. 1775 holte der junge Herzog den bereits berühmten Dichter Johann Wolfgang von Goethe nach Weimar. Die jungen Leute verstehen sich gut. Goethe bietet Bertuch das brüderliche Du an, welches Ihm der Dichterfürst später wieder entzieht. Zusammen mit Schiller wird er in den Xenien Hohn und Spott über ihn ausgießen. Bertuch wird dessen ungeachtet die erste Goethe-Ausgabe bei Goeschen mit finanzieren und der Geheime Rat wird sich an der Erstellung der Grabrede an den 1822 verstorbenen Unternehmer beteiligen. 1776 wird Bertuch Mitglied der Weimarer Freimaurerloge »Amalia« und schon bald zeigt er seine unternehmerischen Fähigkeiten. Die Bekanntschaft mit dem Maler Georg Melchior Kraus brachte ihn auf die Idee, eine Zeichenschule zu gründen. Diese Schule sollte von eminenter Bedeutung für das hier angezeigte »Bilderbuch« werden, da sie Bertuch die nötigen künstlerischen Kräfte für die über tausend kolorierten Kupfer bot. 1780 gründet er eine Fabrik für künstliche Blumen, um die »leider unbeschäftigten Mädchen der mittleren Classen heilsamer Arbeit zuzuführen«. Unter diesen Mädchen war auch eine Christiane Vulpius, spätere Frau von Goethe. Eine wichtige Ergänzung seiner Blumen- und Galanteriewarenfabrik bildet das 1786 gegründete »Journal der Moden«, mit dem Bertuch ausländische Modeströmungen zu Hause bekanntmachen und zugleich für seine Produkte Reklame machen konnte. Sein größtes Projekt wurde aber das »Industrie-Comptoir«. In einer Denkschrift beschreibt er es als »ein öffentliches kaufmännisches Commissions-Comptoir, in welchem jeder einheimische Künstler, Fabrikant und Handwerker die Muster seiner Fabrikate aufstellen, sie durch dasselbe außer Landes vertreiben ... und von demselben richtige Zahlung und Sicherheit für seine Lieferung haben kann«. Bertuchs Verlag gehörte mit über 2000 publizierten Bücher und Zeitschriften zu einem der größten Unternehmen in Deutschland, Zeitweise beschäftigte er über 450 Mitarbeiter mit einer jährlichen Gehaltssumme von 27.000 Talern und war damit größter Arbeitgeber in Weimar. Sein eigenes Gehalt belief sich auf 3000 Taler und entsprach dem des Ministers Goethe.1790 begann Bertuch mit seinem größten Buchprojekt, dem »Bilderbuch für Kinder«. Er schreibt: »Ein Bilderbuch ist für eine Kinderstube ein ebenso wesentliches und noch unentbehrlichres Meuble als die Wiege, die Puppe, oder das Steckenpferd«. Die Auflage betrug 3.000 Exemplare. Das Werk erschien in einzelnen Lieferungen, um den Bezug auch für einen kleineren Geldbeutel möglich zu machen. Dennoch belief sich schließlich der Preis der bis 1830 erschienenen 237 Lieferungen mit ihren 1185 kolorierten Kupfern, einschließlich des 24-bändigen Begleitwerks Funkes mit seinen über 15.000 Seiten, auf rund 125 Taler. Ein Maurer verdiente damals (bei 304 Arbeitstagen) 72 Taler. Heute kostet das Werk im Antiquariatsbuchhandel etwa 15.000.- Euro. Im Vorwort entwickelt Bertuch sein bilddidaktisches Programm: Ein Bilderbuch müsse »schön und richtig gezeichnete und keine schlecht gestochene Kupfer haben, weil nichts wichtiger ist, als das Auge des Kindes, gleich vom Anfange an, nur an wahre Darstellung der Gegenstände ... zu gewöhnen«. Weiter: »Es muß nicht zu viele und zu sehr verschiedene Gegenstände auf einer Tafel zusammendrängen; sonst verwirrt es die Imagination des Kindes und zerstreut seine Aufmerksamkeit«. Sodann: »Es muß wenig und nicht gelehrten Text haben; denn das Kind liest und studiert ja sein Bilderbuch nicht, sondern will sich nur damit amüsiren«. Er fährt fort: »Es muß, wo möglich, fremde und seltene, jedoch instructive Gegenstände enthalten, die das Kind nicht ohnedieß schon täglich sieht«. Am meisten dürfte uns das gewollte Chaos in der Anordnung der Kupfer befremden: Bertuch äußert hierzu: »... habe ich die krellste und bunteste Mischung der Gegenstände gewählt, und bitte nur immer ... zu bedenken, daß ich es mit Kindern zu thun habe, die ich blos amüsiren will«. Dem Bibliothekar dürfte es einen Stich ins Herz geben, wenn Bertuch die Kinder autorisiert, die schwarzen Kupfer farbig auszumalen, ja sie danach gar auszuschneiden, um sie an die Wand zu hängen. Die naturgeschichtliche Themen überwiegen bei weitem. Allerdings nimmt die Gruppe »Vermischte Gegenstände« mit dem Voranschreiten des Werkes immer mehr zu, und zahlreiche Errungenschaften moderner Technik finden Eingang. 1796 begann Bertuch mit der Herausgabe der Begleitbände. Der genaue Titel lautet: »Ausführlicher Text zu Bertuchs Bilderbuche für Kinder. Ein Commentar für Eltern und Lehrer, welche sich jenes Werks bei dem Unterricht ihrer Kinder und Schüler bedienen wollen«. Als Bearbeiter wurde der bekannte Schulmann Karl Friedrich Funke (1752-1807) gewonnen. Mit Bertuchs »Bilderbuch« entstand das erste enzyklopädisch ausgerichtete natur- und weltkundliche Sachbuch und ist heute vor allem Dank seiner vielen Abbildungen eine unschätzbare kulturgeschichtliche Quelle ersten Ranges zum Verständis der visuellen Wahrnehmung und Darstellung im 18. und 19. Jh.
Versand-Nr. 404918
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